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Unausgesprochen

Ich hab viel zu wenig geschlafen und bin demnächst auf dem Weg auf ein Festival. Trotzdem hab ich das Bedürfnis, hier noch irgendwas rauszulassen, überhaupt irgendwas rauszulassen. Wenigstens einen winzigen Teil meiner Sich der Dinge. Wo doch im Moment scheinbar alle so genau wissen, was mit mir los ist, wer ich bin, was ich brauche, was ich tun sollte.

Gut, dass ich heute davor fliehen kann. 

Ich würde das folgende kaum Kurzgeschichte nennen. Eher Fragment, Ausschnitt. Was ist real? Was ist Fiktion? Ist das überhaupt wichtig?

Ein weiteres Mosaikteil der unendlichen Geschichte, Aufarbeitung einer Zeit, die recht wirr war, aber mittlerweile  ein ganzes Stück zurück liegt.

Lasst mich wissen, was ihr denkt. 

 Unausgesprochen

Manchmal muss man sich selbst daran erinnern, was man will und was nicht. Und manchmal versagt man dabei.

Ich hatte mit seinem besten Freund geschlafen und keine Ahnung, ob er das wusste. Aber das war im Prinzip auch egal, wir waren nicht zusammen und es nie wirklich gewesen. Wir waren eigentlich überhaupt nichts. Außer vor einiger Zeit verknallt in einander gewesen. Dass ich ihn liebte, war irrelevant.

Während ich an der Bar saß und den dringenden Wunsch hatte, die abweisende Ignoranz, die mir gegenüber nun von jenem besten Freund an den Tag gelegt wurde, in Hochprozentigem zu ertränken, bewegte er sich auf der Tanzfläche. Ich verfolgte jede seiner Bewegungen. Als die Musik aus war, stand ich auf.

Ich zitterte ein wenig mehr als sonst, weil mir der Halt fehlte. Und die Orientierung.
Er sah mich auf ihn zu kommen und blieb stehen.

"Du zitterst", stelle er fest und nahm meine Hände. Die meisten waren schon gegangen, bevor das letzte Lied anfgefangen hatte. Ich nickte abwesend und es fiel mir schwer, ihn anzusehen. Er hatte getrunken, aber das war nichts Neues, er war zu dieser Gelegenheit fast immer angetrunken.

"Hast du...also willst du...ich meine...", er suchte nach Worten, die Souveränität, die er Austrahlte, täuschte zumeist. Sein Blick war ein wenig unsicher und ich hob fragend beide Augenbrauen, während mein Herz schneller schlug. Ich ahnte, was er wollte, noch mehr hoffte ich es.

"Willst du noch mit zu mir kommen? Wir könnten einen Film ansehen, ich würde dir auch mein Bett überlassen und auf dem Boden schlafen. Aber du solltest jetzt nicht allein sein."

Ich lächelte und nickte.
"Das sollte ich nicht."
Für den Bruchteil einer Sekunde sah ich Erleichterung oder etwas Ähnliches in seinem Gesicht.
Er würde nicht auf dem Boden schlafen. Das wussten wir beide. Ich bezweifelte, dass wir überhaupt schlafen würden.

Die Nacht war also geplant. Ich fühlte mich merkwürdig. Etwas in mir schmerzte noch immer und ich konnte nicht sagen, wem dieser Schmerz galt. Ihm, der mich in den letzten Monaten viele Nerven gekostet und abwechselnd traurig und wütend gemacht hatte? Seinem besten Freund, der mich aufgefangen, neue Hoffnung und Gefühle in mir geweckt hatte und der mich an diesem Abend gekonnt ignoriert hatte? Es war mir zu anstrengend, über eine Frage nachzudenken, auf die ich keine Antwort finden würde.

Ich lehnte mich wieder an die Bar, wartete auf ihn und spielte mit meinem Autoschlüssel. Er stellte sich neben mich und scherzte mit dem Mann hinter dem Thresen. Dann hielt er mir sein Glas unter die Nase. Ich ignorierte die klare, grüne Flüssigkeit und sah ihn an.
"Ach richtig, du fährst."
Ich schnaubte amüsiert.
"Interessante Art des Selbstmordes, den eigenen Fahrer abzufüllen", grinste ich halbherzig.

Er war aufgekratzt vom Alkohol, vom Tanzen, ich eher still. Unterschwellig jagten Gedanken durch meinen Kopf, ob es richtig war, mit ihm zu gehen, ob es besser wäre, alleine nach Hause zu fahren. Ich ignorierte sie und steuerte zielstrebig auf mein Auto zu.

Ich schwieg, während ich fuhr. Irgendwann legte er seine Hand auf meinen Schenkel. Ich ignorierte ihn und sein provokantes Grinsen. Seine Hand wanderte höher.

"Warte doch noch die zehn Minuten", sagte ich unwillig, konnte aber ein Lächeln nicht unterdrücken. Er wollte mich. Zumindest meinen Körper. Aber das allein genügte um meine Laune zu bessern und mir ein gewisses Triumphgefühl zu verschaffen.

"Lenk ich dich ab?"
"Nein", sagte ich lediglich und sah ihn kurz an. Auch als ich meinen Blick wieder auf die Straße wandte, spürte ich seine Augen auf mir.

"Und du weißt, was du tust?", fragte er mich irgendwann.
Ich steuerte auf einen Parkplatz zu.
"Wie kommst du darauf, dass ich es nicht tue?"
"Keine Ahnung", erwiderte er auf meine Gegenfrage und sah mich unentwegt an. "Ich bin betrunken, du nicht."
Er überlegte kurz.
"Aber eigentlich würde ich es nüchtern auch tun."

Das beruhigte mich zumindest ein wenig. Ich stellte den Wagen ab. Ich konnte nicht einschätzen, wie betrunken er tatsächlich war. Er wirkte recht nüchtern auf mich. Andererseits hatte er genug Übung im Trinken.

"Sicher, dass du das tun willst?", fragte er und schnallte sich ab. Ich schnaubte. Er manchmal hatte die Angewohnheit, vorzugeben, mich besser zu kennen, als das der Fall war. Mehr zu durchschaun, als tatsächlich da war. Mehr zu sehen, als ich. Er hatte damit nicht immer recht. Glaubte ich. 

Ich wusste, was ich wollte. Zumindest in dieser Nacht. Verletzte Gefühle würde er nicht heilen können, aber für eine gewisse Zeit wegschieben.
Selbstbewusst sah ich ihn an.
Keine Sorge, ich weiß, warum ich hier bin. Und letzendlich kann ich jederzeit Nein sagen."
Seine Augen blickten ernst, aber emotionslos, höchstens interessiert.

"Interessant, dass du es trotzdem nie tust", sagte er, lächelte triumphierend und stieg aus.
Ich schluckte, legte meine Hand auf den Türgriff und atmete seine Worte weg, die sich in mich zu bohren versuchten.
Dann folgte ich ihm wortlos. 

 

19.04.2011

 

23.7.11 11:26


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Inspiration

Endlich. Die längste Schreibblockade die ich je hatte - seit Finnland habe ich keine Geschichte mehr zu Ende gebracht, also seit fast einem Jahr - ist durchbrochen. Es tut gut, wieder was zu schreiben, was wirklich fiktiv ist. Ich brauche diese Distanz offenbar, um Geschichten wirklich zu beenden.

Gewidmet demjenigen, der mich dazu inspiriert hat. Danke für dieses wertvolle Geschenk!

 Viel Spaß damit.

 

Inspiration

Schon im den Flur hörte sie den dumpfen Bass, der unerbittlich durch das alte Gebäude hämmerte. Die Wohnungstür stand einen Spalt offen, so dass sie hineinkonnte, ohne zu klingeln. Es roch nach Zigarettenrauch und Gras. Sie zog die Tür hinter sich zu und stieß dabei mit dem Fuß gegen eine leere Bierflasche, die geräuschvoll umkippte.
Das brachte ihn auf den Plan.

Auf einmal lehnte er im Türrahmen. Mit einer Zigarette im Mundwinkel musterte er sie mit abschätzigem Blick und zufriedenem Grinsen. Er trug ein schwarzes Tanktop und eine knielange Tarnhose. Ein Schauer rieselte ihr über den Rücken und sie konnte seinem Blick kaum standhalten. Seine Augen waren kalt wie immer, trotzdem wirkte sein Gesicht fast sanft.
Sie wusste, dass das täuschte, dass das eben einfach sein Aussehen war und dennoch wirkte es immer wieder.

Vielleicht war er doch nicht, wie er zu sein vorgab. Vielleicht war er doch anders.

"Hey, Kleines", begrüßte er sie. Mehr, als ein Lächeln brachte sie nicht zu stande.
Er kam auf sie zu, umfasste ihr Hüfte und küsste sie, viel zärtlicher, als man erwarten würde, viel sanfter, als zu ihm passte. Ihre Knie wurden weich, schon wieder, und sie war froh, dass er sie festhielt.

Als er sich von ihr löste, war sie sicher, dass ihr Blick sie verriet, dass in ihren Augen alles zu sehen war, was sie vor ihm zu verbergen versuchte. Doch letztendlich wusste er ohnehin schon lange, dass sie ihm verfallen war. Hoffnungslos.

Er drehte sich um und setzte sich wieder an seinen Computer. Unsicher folgte sie ihm ins Zimmer, ließ sich auf sein Bett fallen und zog die furchtbar unbequemen High Heels aus, die sie nur für ihn trug. Sie hasste hohe Absätze.

"Neuer Song?", fragte sie ihn, während er die Zigarette ausdrückte und auf den Bildschirm starrte. Ihre Stimme übertönte kaum die elektronischen Klänge. Harte Bässe hämmerten im Einklang mit ihrem Herzen.

"Jo", antwortete er, und drehte sich dabei zu ihr. "Aber irgendwie häng ich fest. Deswegen hab ich dich angerufen."
Er zeigte sein schmutzigstes Grinsen.
"Du weißt ja...du inspirierst mich."

Ihr Lächeln war zuckersüß.
"Dafür bin ich da", sagte sie und nur für einen winzigen Augenblick tat es weh, dass sie nur das war. Nicht mehr. Nicht weniger.

Er stand auf und ging die wenigen Schritte auf sie zu. Imposant stand er vor ihr, auf dem beinahe kindlichen Gesicht ein derbes Grinsen und ein verführerisches Funkeln in den dunklen Augen. Ihr Herz schlug schneller.

Er legte seine Hand unter ihr Kinn und zwang sie so, ihm in die Augen zu sehen. Entblöst, schon wieder.
Es war ihr egal.
Quälend langsam knöpfte er ihre Bluse auf, drückte sie aufs Bett und zog sie wortlos aus. Ihr Atem ging schneller noch bevor er sie angefasst hatte. Zu gut wusste sie, was er im Begriff war zu tun. Zu gut wusste sie, wie es sich anfühlte.

Als seine Lippen sich auf ihren Hals legten schloss sie die Augen. Unfähig, sich seinen Händen zu widersetzen, lag sie unter ihm, wand sich unter seinen Beührungen und genoss jede Sekunde. Nur nicht nachdenken, nur nicht realisieren.

Die Illusion war so viel angenehmer, als die Wahrheit. So viel besser.

Er zog sie zu sich hoch und drehte sie um. Willenlos ließ sie alles mit sich geschehen. Er kniete hinter ihr, verbiss sich in ihrem Hals während seine Hand zwischen ihre Beine glitt. Für einen kurzen Moment hielt sie die Luft an.

Dann drückte er ihren Oberkörper nach unten, so dass sie auf allen Vieren vor ihm kniete. Noch immer hielt sie die Augen geschlossen. Nur nicht sehen.

Seine Hände schienen überall zu sein, doch vor allem da, wo sie sie haben wollte. Er kratze über ihren Rücken, biss ihr in den Nacken und drang mit seinen Fingern immer wieder in sie ein.

Sie krallte sich in die Matratze. Längst war ihr Denken ausgeschaltet. Ihr Atem ging immer schneller, während er sein Becken an sie presste. Nur nicht aufhören.

Als er schließlich von ihr abließ, kippte sie zu Seiten und blieb schwer atmend liegen.
Durch zerzauste Haare sah sie ihn an.
Er stand mit zufriedenem Lächeln über ihr und blickte auf sie herab. Nicht fähig, etwas zu sagen, sah sie ihn einfach nur an und versuchte den Wunsch nach seiner Nähe zu unterdrücken. Sie schwiegen beide, sahen sich nur an und sie flehte innerlich, dass er dieses eine mal eine Ausnahme machen würde. Dass er sie dieses eine mal in den Arm nehmen würde. Ihr übers Haar streichen. Sie an sich drücken.

Er zog wortlos seine Hose aus. Sie schluckte und schloss für einen Moment die Augen. Sie kannte das Spiel.

Er zog sie zu sich hoch, strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, beinahe zärtlich, versuchte sie sich einzureden, dann drückte er sie nach unten. Sie fiel vor ihm auf die Knie. Tat, was er stumm verlangte. Und tat es gern, auch wenn sie sich selbst dafür hasste.

Es dauerte nicht lange. Noch immer dröhnte der Bass, noch immer roch es nach Zigarettenrauch und Gras. Sie zitterte ein wenig, als sie sich anzog. Er war wortkarg, wie immer, in Gedanken schon bei seinem Song. Vielleicht formte er schon Worte zu einem Text, hasserfüllt und aggressiv, wie seine Texte es immer waren. Sie knöpfte ihre Bluse zu, als er schon wieder vor dem Bildschirm saß.

Zögernd legte sie ihre Hand auf seine Schulter. Er drehte sich zu ihr und lächelte. Immer das Selbe.
Ein so ehrlich wirkendes Lächeln. Er sah so hübsch aus. So anders. Und ihr wurde warm.
Sie würde wiederkommen. Sie wusste, dass es falsch war und doch würde sie rangehen, beim nächsten Anruf. Sie würde wieder in ihr Auto steigen und sie würde sich wieder von ihm ausziehen lassen.

Er zog sie zu sich runter und küsste sie, so dass ihre Knie weich wurden. Vielleicht war er ja doch anders, dachte sie. Vielleicht wusste er es nur noch nicht.

Dann ging sie, ohne sich zu verabschieden, bevor er sie wegschicken konnte. Ein wenig Stolz hatte sie doch noch. Zumindest redete sie sich das ein. 

 

 

 19.07.2011

 

19.7.11 14:28


Lass mich bloß nie mehr los...

Eine kleine Zeitreise zurück. Sommer. Finnland. Und alles war anders. 

Ja, technisch gesehen ist es Fanfiction. Aber ich finde das in diesem Fall nicht relevant. Namen sind nur Namen und jeder hat andere Gesichter dazu. 

Es fiel mir gerade wieder in die Hände, es war noch nirgendwo online und...es ist Kitsch, irgendwie. Aber wer mich als Autorin kennt, weiß, dass ich doch ganz gern mal Kitsch schreibe. 

Es ist außerdem merkwürdig. Wer mich als Person kennt, wird bemerken, was ich meine. Aber ich schwöre, ich hab das letzten Sommer in Finnland geschrieben. No hidden messages. Just a little story. Have fun. And comment please.

 

Lass mich bloß nie mehr los, sagst du und du drehst dich um

***

Als er aufwachte, war es noch nicht einmal hell. Er blickte neben sich und schloss gequält die Augen. Er hatte es wieder getan...
Er stand auf, schlag sich die Decke um den Körper und ging raus auf den Balkon. Am Horizont war ein heller Streifen zu sehen. Er zündete sich eine Zigarette an und starrte in den Himmel.


Ich wurde davon wach, dass Jussi aufstand und die Balkontür öffnete. Einen Moment blieb ich still liegen und lauschte, doch ich hörte nichts mehr. Also stand ich auf. Jussi stand auf dem Balkon, die Bettdecke um den Körper gewickelt und eine Zigarette in der Hand. Ich zog meine Boxershorts an, um nicht völlig nackt nach draußen zu gehen, und stellte mich hinter ihn.

"Schon wach?", fragte ich und er zuckte zusammen.
"Himmel, hast du mich erschreckt", murrte er und zog an seiner Zigarette.
"Ich dachte, du hast aufgehört."
"Hab ich auch", sagte er knapp und zog erneut.

Es war kalt. In einigen Stunden würde die Sonne erbarmungslos heiß vom Himmel scheinen, aber jetzt, um diese Uhrzeit, war es iel zu kalt um nur in Unterwäsche draußen zu stehen.
"Willst du nicht wieder reinkommen?", fragte ich. Jussi antwortete nicht. Erst als er seine Zigarette ausgedrückt hatte.

"Schon wieder", sagte er.
"Was meinst du?", fragte ich, obwohl ich die Antwort darauf kannte.
"Wir müssen damit aufhören", sagte er eindringlich, ohne mich anzusehen.
"Ich wüsste nicht, warum", entgegnete ich kalt. Eine Gänsehaut hatte sich auf meinem Körper ausgebreitet und ich fror erbärmlich. Doch die Kälte in mir kam von Jussis Worten.
"Ach hör schon auf", sagte er unfreundlich. "Du weißt ganz genau, was ich meine. Es tut mir leid, wenn du das nicht so siehst, aber ich finde, wir sollten das nicht tun."

Ich sagte nichts, denn darauf hatte ich nichts zu erwidern. Außer die Phrasen, die er schon kannte.
Aber wir wollen es doch beide.
Mach dir nicht so viele Gedanken.
Denk nicht darüber nach, was die anderen denken könnten.

Probier es zur Abwechslung mal mit der Wahrheit, sagte eine Stimme in meinem Kopf, doch ich schüttelte sie weg.

"Jussi, komm wieder ins Bett, es ist verdammt kalt hier", sagte ich statt alledem, doch er schüttelte seinen Kopf.
"Nein, ich bleib noch hier. Geh du ruhig rein."
"Ohne dich gehe ich nicht", sagte ich und es war mir durchaus bewusst, dass ich wie ein trotziger Fünfjähriger klang.
Jussi lachte  tonlos.
"Lass den Unsinn und geh rein, bevor du dich erkältest."

"Jussi, ich..."
"Ich weiß", unterbrach er mich. "Bitte sag es nicht."

Ich schluckte hart, weil mich seine Worte trafen. Er zündete sich eine neue Zigarette an und gab mir auch eine, denn er kannte mich gut genug um zu wissen, dass ich das jetzt brauchte.

Schließlich drehte er sich zu mir um und sah mich an, mit einem Blick so verletzlich und gleichzeitig so hart.

"Es ist nicht so, dass ich nichts für dich empfinde, Teemu. Aber das hier..."
"Was?"

Er antwortete nicht, sondern rauchte stumm und blickte an mir vorbei. Allmählich wurde es hell um mich herum.

"Wir müssen aufhören, dieses Spiel zu spielen. Uns erst zu betrinken und dann im Bett zu landen."
Ich wollte ihm in die Augen sehen, doch er wich meinem Blick aus.
"Es ist kein Spiel", sagte ich ernst. "Zumindest nicht für mich."
Ich drückte die Zigarette aus und drehte mich um. Doch ich legte mich nicht wieder ins Bett. Ich sammelte meine Klamotten vom Boden auf und zog mich an.

Jussi kam mir nach ins Schlafzimmer.
"Was machst du?"
"Ich gehe."
"Wie, du gehst?"
"Ich gehe nach hause"; erklärte ich und machte meine Hose zu.
"Du kannst jetzt nicht nach Hause gehen", sagte er entgeistert. "Es ist halb fünf, es ist noch nicht einmal hell draußen!"
"Keine Sorge, ich finde den Weg schon", entgegnete ich nur und zog den Reißverschluss meiner Jacke hoch.

Er setzte sich aufs Bett und sah mir dabei zu, wie ich meine Socken anzog und meine Tasche schulterte. Erst als ich nach der Türklinke griff, sprach er wieder.
"Bitte bleib!"

Ich seufzte und drehte mich zu ihm um.
"Und dann? Was ist, wenn ich bleibe."
Er sagte nichts.
"Siehst du. Nichts ist, wenn ich bleibe. Du wirst immer noch der Meinung sein, dass ich ein Risikofaktor bin, dass ich es nicht wert bin, dass es zu viele Probleme geben wird, wenn du dich auf mich einlässt."

"Nein, nein, so mein ich das nicht", sagte er, so hilflos, dass ich weich wurde. Ich nahm die Hand von der Tür und sah ihn an.
"Wie meinst du es dann?"

Er sah mich an, als erwartete er, dass ich die Antwort aus seinem Gesicht lesen konnte. Doch das konnte ich nicht.
Ich wünschte, er würde nur ein mal ehrlich zu mir sein.

Er zog die Decke enger um seinen Körper.
"Ich möchte, dass du bleibst", sagte er leise.
"Und warum?"

Wieder schweigen und das Suchen nach Antworten.
"Jussi, antworte mir! Antworte mir, oder ich gehe endgültig."

Wir wussten beide, dass ich log. Ich würde nicht einfach so von ihm loskommen. Er zog mich an und wenn ich ganz nahe vor ihm stand, stieß er mich wieder von sich weg. Immer und immer wieder.

"Warum sollte ich bleiben?", fragte ich ihn.

"Weil...", begann er und brach ab. Er sah auf den Boden, dann zur Balkontür und dann zu mir. "Weil ich dich brauche. Weil ich dich so sehr brauche, dass ich Angst habe, dich zu verlieren, wenn ich dich zu nah an mich ran lasse. Teemu, ich kann das hier nicht."
"Was kannst du nicht?", fragte ich ruhig.
"Zusammen einschlafen, zusammen aufwachen, diesen Beziehungskram, diese Enge...wir sind Freunde. Das reicht doch, oder?"

"Nein", sagte ich. "Nein, mir reicht das nicht. Wenn du nicht bereit bist, für mich das Risiko einer Beziehung einzugehen, dann schätze ich, war's das für uns. Ich bin verliebt in dich und ich bin nicht bereit, so zu tun, als wären wir nur Freunde."

Ich wartete darauf, dass er etwas sagte, dass er seinen Standpunkt, den ich ohnehin nicht nachvollziehen konnte, aufgab und mir sagte, dass ich es ihm doch wert war. Dass er mich liebte und er bereit war, mit mir zusammen zu sein. Dass er einsah, dass man seine Ängste hinter sich lassen und Kompromisse eingehen musste, wenn man mit jemandem zusammen sein wollte. Doch er sagte nichts.

Also ging ich. Die Tür fiel hinter mir ins Schloss und ich lehnte mich an die Wand. Der Hausflur war kalt und leer. Ich schloss die Augen und atmete tief durch um das Gefühl zu vertreiben, dass sich in mir breit machte.

Gerade, als ich den Arm nach der Klingel ausstrecken wollte, ging die Tür auf.
"Du bist noch da", sagte Jussi, offenbar ehrlich überrascht.
"Ich wollte gerade gehen", log ich.
"Geh nicht", bat er mich erneut.
"Gib mir einen vernünftigen Grund", sagte ich und sah ihn an. Er hielt meinem Blick stand.

"Werden wir noch Freunde sein, wenn wir zusammen sind? Oder werden wir aneinander vorbei leben und uns nur noch streiten? Werden wir noch alleine weggehen oder nur aneinander kleben und uns dann hassen? Werden wir Zeit zum allein sein haben oder wirst du gleich durchdrehen, wenn ich dich nicht anrufe? Wie wird es sein?"

"Es wird so sein, wie wir es wollen", antwortete ich kühl. "Es liegt in unserer Hand."
"Geh nicht, Teemu. Ich liebe dich."
"Wenn ich jetzt bleibe, wirst du mich dann später wegschicken?"
"Nein, das werde ich nicht. Bitte, komm wieder rein."

Er sah mich flehend an, so als wollte er wirklich, dass ich blieb. Ein leises Lächeln huschte über mein Gesicht. Ich stieß mich von der Wand ab und ging auf ihn zu.
Einen Moment sah ich ihn an, dann zog ich ihn in meine Arme.
"Ich werde dir nicht wehtun, Jussi", sagte ich leise, als ich erkannte, wovor er eigentlich Angst hatte.

Er löste sich von mir und nahm meine Hand.
"Lass uns wieder ins Bett gehen", lächelte er. Ich nickte und noch im Gehen zog ich meine Jacke aus und öffnete meine Hose.

 

Anm.d.Red.: Die Zeile am Anfang ist aus dem Lied "Abgehaun" von den Prinzen. Sehr schön. Sehr traurig. Sehr passend. 

27.6.11 17:58


Schade eigentlich

Mal wieder was aus meiner "Unendlichen Geschichte". 

 

Ich seh mich schon
vor dem Altar stehen
mit deinem Bild im Kopf
und deinem Namen auf den Lippen
Und der Mann neben mir
tut mir jetzt schon leid
Weil er niemals sein wird,
was du bist, sondern nur
geschafft hat, was du nicht konntest.
Reife Leistung.
Und er wird nicht mal
belohnt dafür
kriegt als Preis
nur mich.
Schade eigentlich.


25.06.11

25.6.11 16:04


Jamais

Ich melde mich zurück mit etwas älterem. Ich schrieb es vor fast einem Jahr.  Es gehört in die Kategorie "Ich muss es aus meinem Kopf kriegen, sonst platze ich" und ist gleichzeitig fiktiv und autpbiographisch. Fiktiv, weil es nie so passiert ist. Autobiographisch, weil ich exakt so gedacht und gefühl habe. Beim erneuten Durchlesen stellte ich außerdem fest, dass ich den Anfang, den ich mir damals so sehr gewünscht habe, nur einen Monat später bekommen habe. Auf andere und unerwartete Weise, aber ein Anfang war es doch, der Anfang von etwas, das bis heute andauert und mich vermutlich nie wieder loslassen wird. Danke dafür, ehrlich.  Deswegen, demjenigen, der mein Anfang war, obwohl mir Anfänge so schwer fallen:

 

Jamais

 

Ein ungemütlicher Wind lässt mich frösteln, als ich durch die leeren Straßen laufe. Der Regen hat sich gerade erst gelegt und noch immer ist der Himmel mit schweren, dunklen Wolken verhangen. Es ist unangenehm kalt und der nahende Herbst liegt in der Luft.
Ich laufe, ohne wirklich zu wissen warum, doch etwas hat mich nach draußen gezogen, etwas, das tief in mir schlummert.

Ich fühle mich müde und die graue Stadt um mich herum drückt auf meine Lungen, so dass mir das Atmen schwer fällt. Ein dumpfer Schmerz liegt auf mir, so offensichtlich, dass ich mir nicht einmal die Mühe mache, ihn irgendwie zu verstecken. Denn er ist da und so wie es aussieht, wird er bleiben.

Ich vergrabe die Hände in den Taschen meines Mantels, wütend auf mich selbst. Weil ich in Selbstmitleid versinke. Weil ich ohne Grund durch die Straßen laufe. Weil ich nicht einfach an das Glaube, was ich sage.
Dass es vorbei ist. Dass es weitergeht.

Weil ich die Vergangenheit nicht ruhen lassen kann.

Der Asphalt unter meinen Füßen ist noch nass und ich glaube nicht, dass das für heute alles an Regen war. Bald wird es dunkel werden.

In meinem Kopf spielt eine unbestimmte Melodie und ich versuche nichts zu denken. Doch selbst das ist ein Gedanke, also denke ich an Regen und an Straßen und an meine Schritte, die mich irgendwo hinführen.

Es überkommt mich ganz plötzlich, doch nicht völlig unerwartet. Ich wünsche mir, dass es wieder anfängt zu regnen, aber den Gefallen tut man mir nicht. Doch ich bin allein, also lasse ich zu, dass Tränen meine Augen füllen, weil an diesem Regentag alles wieder da ist. So wie es eigentlich immer da ist. Nur nicht so nah, wie heute.

Es gibt keinen Grund. Es gibt keinen Anlass. Es gibt nur schlechtes Wetter und kalten Wind.
Und wie immer, wenn ich zulasse, dass das, was da in mir schlummert, plötzlich erwacht, zieht mich das Wasser an.

Auf einer Brücke bleibe ich stehen und sehe nach unten. Wünsche mir, in dem Strom zu versinken, der durch den Regen gewachsen ist.
Kalt und dunkel fließt er und in meinem Kopf springe ich einfach. Aber natürlich würde ich das niemals tun.

Stattdessen weine ich noch ein wenig und gehe alle Gedanken wieder von vorne durch. Beleidige mich selbst. Dann andere. Dann die ganze Welt. Und wäre es nicht so schmerzhaft, könnte ich fast über mich selbst lachen.

Und in diesen intimen Moment stellt sich ein Fremder. Wagt es, mich anzusprechen.
Ich sehe ihn nicht an, als ich ihm antworte, dass es mir sehr wohl gut geht. Er kommt noch näher. Wie ich heiße, will er wissen. Ich sage es ihm und versuche ihm nicht zu zeigen, dass es den Schmerz ein winziges Bisschen lindert, dass ein Fremder sieht, was so viele andere nicht sehen.

Er heißt Teemu und weil seine Stimme mir gefällt, sehe ich ihn doch an. Der Rest von ihm gefällt mir auch. Ich schäme mich schon wieder meiner Tränen.

Ob er den Fluss auch so schön findet, jetzt in diesem Moment, frage ich ihn. Er lacht. Er weiß es nicht, sagt er, aber er hatte ein bisschen Angst, dass ich den Fluss so schön finde, dass ich springe.

Aber natürlich würde ich das niemals tun.

Das weiß er nicht. Also sage ich es ihm und hoffe, dass er mir glaubt, denn ich möchte nicht, dass er so von mir denkt.

Er ist jung, in meinem Alter, schätze ich. Vielleicht etwas älter. Auf jeden Fall sieht er gut aus und ich schäme mich ein bisschen, dass ich ihn so beurteile, dass ich jeden gleich danach beurteile. Aber so ist es eben. Und er sieht wirklich gut aus.

Er vermutet, dass ich wohl nicht erzählen möchte, warum ich so trist auf den Fluss starre. Ich bestätige seine Vermutung und bekomme dafür ein Lächeln von ihm. Was muss ich wohl tun, um das öfter zu sehen?

Wir gucken beide aufs Wasser. Ganz langsam beginnt es wieder zu regnen, aber sanfter als heute Nachmittag.

Ob er das auch kennt, dass man etwas einfach nicht vergessen kann, obwohl man es gerne möchte, frage ich ihn. Dieses Gefühl, etwas nicht akzeptieren zu können, obwohl man doch weiß, dass man es nicht mehr ändern kann.

Er überlegt lange bevor er antwortet. Er kenne es, sagt er, aber er versucht die Zukunft zu sehen, nicht das, was schon war.

Darum beneide ich dich, sage ich zu ihm und gucke auf meine Hände. Ich denke, er bereut, dass er mich angesprochen hat und ich bereue, dass ich ihm dieses Gefühl gebe. Er dachte, dass ich springen würde.

Aber natürlich würde ich das niemals tun.

Manchmal dauert es, bis das Vergessen funktioniert, sagt er irgendwann und dabei guckt er mich nicht an. Er sieht, wie ich, aufs Wasser und seine Stimme klingt ein wenig mehr, als verstünde er, wie ich mich fühle.

Ich hoffe, er hat recht. Denn das würde bedeuten, dass das Vergessen irgendwann kommt.
Ich hasse warten.

Ich vermisse Menschen, die es nicht verdient haben, vermisst zu werden.
Ich sage es einfach so, sachlich und nüchtern. Das Gegenteil meiner selbst. Am liebsten würde ich laut schreien.

Aber natürlich würde ich das niemals tun.

Wenn man seine Gefühle beeinflussen könnte, wäre das Leben leichter, sagt Teemu und schenkt mir noch ein Lächeln. Ich danke ihm stumm. Ich möchte mehr davon.
Am liebsten würde ich ihm alles erzählen. Am liebsten würde ich ewig mit ihm reden. Am liebsten würde ich ihn einfach so küssen.

Aber natürlich würde ich das niemals tun.

Der Regen wird stärker und in mir keimt die Hoffnung, dass das ein Anfang ist. Dass Teemu ein Anfang ist. Von Irgendetwas. Denn ich brauche wirklich ganz dringend einen Anfang.

So viele Wörter schwirren in meinem Kopf, doch ich traue mich nicht, eins davon auszusprechen. Was, wenn er denn geht? Was, wenn er dann bleibt?
Aber vielleicht ist er genau das, was ich zu vergessen brauche.

Ich versuche, ihn unauffällig anzusehen. Aber weil er mich auch ansieht, ist es nicht so unauffällig, wie geplant. Also sehen wir uns beide gleichzeitig nicht sehr unauffällig an. Seine Haare sind feucht und kleben an seiner Stirn und seine Augen sind sehr viel ruhiger als meine.

Er schiebt seine Hand über meine. Das Geländer ist kalt und seine Hand ist warm und meine Hand liegt dazwischen und das fühlt sich gut an.

Es gibt kein Wort, das beschreibt, was ich fühle, deswegen sage ich auch nichts. Er tut es auch nicht, doch sein Gesicht kommt immer näher und je näher es kommt, desto schöner wird es.

So sanft wie der Regen legen sich seine Lippen auf meine und verweilen dort für eine Sekunde, die ausreicht um mir zu bestätigen, was ich gedacht habe. Er ist genau das, was ich zum Vergessen brauche.

Ich erwidere seinen Kuss, ein wenig scheu und ein wenig mutig und mein Herz klopft, während etwas in mir langsam wieder einschläft. Gut so.

Seine Lippen sind alles, was jetzt da ist und sie sind, wie er ist. So schön. So sanft. So nah.
Ein Kuss sagt so viel mehr. Und zwei Küsse sagen es noch besser.
Ich küsse ich zurück und zeige ihm, dass ich vergessen will. Alles. Nur ihn nicht.
Es ist ein perfekter Moment und er ist viel zu schnell vorbei. Möchte so viel mehr davon.

Ganz schön kalt jetzt, findet Teemu. Man sollte sich aufwärmen. Am besten bei Kaffee.
Recht hat er. Ich bin kalt und nass und er ist es auch.

Er geht einen Schritt vom Brückengeländer zurück und sieht mich an. Ob ich denn nun mitkomme? Er würde sich freuen, sagt er. Aber wenn mir das lieber ist, könne ich auch hier im Regen bleiben.

Aber natürlich würde ich das niemals tun.

 

8.10.2010

19.6.11 20:09


Alltag

und dann liegst du da
und weinst
nicht
weil die tränen nicht kommen
und du weißt
was helfen kann
doch du tust es nicht
weil andere dir sagen
wie falsch es ist
und du weißt nicht
ist es das
ist es das nicht
denn du weißt nur
was du willst
jetzt gleich
bevor die leere dich
endgültig auffrisst
und dennoch
bleibst du regungslos
und wartest
auf
nichts.
30.5.11 19:00


Auf der Reifenschaukel

Wirres Gedankenverarbeiten. Möglich oder nicht möglich?

 

Gedankenkreisbewegung
auf der Reifenschaukel auf und ab

beeindruckend
was möglich ist

höher, höher, höher
auf der Reifenschaukel hin und her

beeindruckend
was nicht möglich ist

Hochfliegen, Hartlanden
auf der Reifenschaukel in die Luft

beeindruckend
was möglich ist

Gedanken, Kreis, Bewegung
auf der Reifenschaukel festgesetzt

beeindruckend.

 

24.05.2011

24.5.11 00:45


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