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Lass mich bloß nie mehr los...

Eine kleine Zeitreise zurück. Sommer. Finnland. Und alles war anders. 

Ja, technisch gesehen ist es Fanfiction. Aber ich finde das in diesem Fall nicht relevant. Namen sind nur Namen und jeder hat andere Gesichter dazu. 

Es fiel mir gerade wieder in die Hände, es war noch nirgendwo online und...es ist Kitsch, irgendwie. Aber wer mich als Autorin kennt, weiß, dass ich doch ganz gern mal Kitsch schreibe. 

Es ist außerdem merkwürdig. Wer mich als Person kennt, wird bemerken, was ich meine. Aber ich schwöre, ich hab das letzten Sommer in Finnland geschrieben. No hidden messages. Just a little story. Have fun. And comment please.

 

Lass mich bloß nie mehr los, sagst du und du drehst dich um

***

Als er aufwachte, war es noch nicht einmal hell. Er blickte neben sich und schloss gequält die Augen. Er hatte es wieder getan...
Er stand auf, schlag sich die Decke um den Körper und ging raus auf den Balkon. Am Horizont war ein heller Streifen zu sehen. Er zündete sich eine Zigarette an und starrte in den Himmel.


Ich wurde davon wach, dass Jussi aufstand und die Balkontür öffnete. Einen Moment blieb ich still liegen und lauschte, doch ich hörte nichts mehr. Also stand ich auf. Jussi stand auf dem Balkon, die Bettdecke um den Körper gewickelt und eine Zigarette in der Hand. Ich zog meine Boxershorts an, um nicht völlig nackt nach draußen zu gehen, und stellte mich hinter ihn.

"Schon wach?", fragte ich und er zuckte zusammen.
"Himmel, hast du mich erschreckt", murrte er und zog an seiner Zigarette.
"Ich dachte, du hast aufgehört."
"Hab ich auch", sagte er knapp und zog erneut.

Es war kalt. In einigen Stunden würde die Sonne erbarmungslos heiß vom Himmel scheinen, aber jetzt, um diese Uhrzeit, war es iel zu kalt um nur in Unterwäsche draußen zu stehen.
"Willst du nicht wieder reinkommen?", fragte ich. Jussi antwortete nicht. Erst als er seine Zigarette ausgedrückt hatte.

"Schon wieder", sagte er.
"Was meinst du?", fragte ich, obwohl ich die Antwort darauf kannte.
"Wir müssen damit aufhören", sagte er eindringlich, ohne mich anzusehen.
"Ich wüsste nicht, warum", entgegnete ich kalt. Eine Gänsehaut hatte sich auf meinem Körper ausgebreitet und ich fror erbärmlich. Doch die Kälte in mir kam von Jussis Worten.
"Ach hör schon auf", sagte er unfreundlich. "Du weißt ganz genau, was ich meine. Es tut mir leid, wenn du das nicht so siehst, aber ich finde, wir sollten das nicht tun."

Ich sagte nichts, denn darauf hatte ich nichts zu erwidern. Außer die Phrasen, die er schon kannte.
Aber wir wollen es doch beide.
Mach dir nicht so viele Gedanken.
Denk nicht darüber nach, was die anderen denken könnten.

Probier es zur Abwechslung mal mit der Wahrheit, sagte eine Stimme in meinem Kopf, doch ich schüttelte sie weg.

"Jussi, komm wieder ins Bett, es ist verdammt kalt hier", sagte ich statt alledem, doch er schüttelte seinen Kopf.
"Nein, ich bleib noch hier. Geh du ruhig rein."
"Ohne dich gehe ich nicht", sagte ich und es war mir durchaus bewusst, dass ich wie ein trotziger Fünfjähriger klang.
Jussi lachte  tonlos.
"Lass den Unsinn und geh rein, bevor du dich erkältest."

"Jussi, ich..."
"Ich weiß", unterbrach er mich. "Bitte sag es nicht."

Ich schluckte hart, weil mich seine Worte trafen. Er zündete sich eine neue Zigarette an und gab mir auch eine, denn er kannte mich gut genug um zu wissen, dass ich das jetzt brauchte.

Schließlich drehte er sich zu mir um und sah mich an, mit einem Blick so verletzlich und gleichzeitig so hart.

"Es ist nicht so, dass ich nichts für dich empfinde, Teemu. Aber das hier..."
"Was?"

Er antwortete nicht, sondern rauchte stumm und blickte an mir vorbei. Allmählich wurde es hell um mich herum.

"Wir müssen aufhören, dieses Spiel zu spielen. Uns erst zu betrinken und dann im Bett zu landen."
Ich wollte ihm in die Augen sehen, doch er wich meinem Blick aus.
"Es ist kein Spiel", sagte ich ernst. "Zumindest nicht für mich."
Ich drückte die Zigarette aus und drehte mich um. Doch ich legte mich nicht wieder ins Bett. Ich sammelte meine Klamotten vom Boden auf und zog mich an.

Jussi kam mir nach ins Schlafzimmer.
"Was machst du?"
"Ich gehe."
"Wie, du gehst?"
"Ich gehe nach hause"; erklärte ich und machte meine Hose zu.
"Du kannst jetzt nicht nach Hause gehen", sagte er entgeistert. "Es ist halb fünf, es ist noch nicht einmal hell draußen!"
"Keine Sorge, ich finde den Weg schon", entgegnete ich nur und zog den Reißverschluss meiner Jacke hoch.

Er setzte sich aufs Bett und sah mir dabei zu, wie ich meine Socken anzog und meine Tasche schulterte. Erst als ich nach der Türklinke griff, sprach er wieder.
"Bitte bleib!"

Ich seufzte und drehte mich zu ihm um.
"Und dann? Was ist, wenn ich bleibe."
Er sagte nichts.
"Siehst du. Nichts ist, wenn ich bleibe. Du wirst immer noch der Meinung sein, dass ich ein Risikofaktor bin, dass ich es nicht wert bin, dass es zu viele Probleme geben wird, wenn du dich auf mich einlässt."

"Nein, nein, so mein ich das nicht", sagte er, so hilflos, dass ich weich wurde. Ich nahm die Hand von der Tür und sah ihn an.
"Wie meinst du es dann?"

Er sah mich an, als erwartete er, dass ich die Antwort aus seinem Gesicht lesen konnte. Doch das konnte ich nicht.
Ich wünschte, er würde nur ein mal ehrlich zu mir sein.

Er zog die Decke enger um seinen Körper.
"Ich möchte, dass du bleibst", sagte er leise.
"Und warum?"

Wieder schweigen und das Suchen nach Antworten.
"Jussi, antworte mir! Antworte mir, oder ich gehe endgültig."

Wir wussten beide, dass ich log. Ich würde nicht einfach so von ihm loskommen. Er zog mich an und wenn ich ganz nahe vor ihm stand, stieß er mich wieder von sich weg. Immer und immer wieder.

"Warum sollte ich bleiben?", fragte ich ihn.

"Weil...", begann er und brach ab. Er sah auf den Boden, dann zur Balkontür und dann zu mir. "Weil ich dich brauche. Weil ich dich so sehr brauche, dass ich Angst habe, dich zu verlieren, wenn ich dich zu nah an mich ran lasse. Teemu, ich kann das hier nicht."
"Was kannst du nicht?", fragte ich ruhig.
"Zusammen einschlafen, zusammen aufwachen, diesen Beziehungskram, diese Enge...wir sind Freunde. Das reicht doch, oder?"

"Nein", sagte ich. "Nein, mir reicht das nicht. Wenn du nicht bereit bist, für mich das Risiko einer Beziehung einzugehen, dann schätze ich, war's das für uns. Ich bin verliebt in dich und ich bin nicht bereit, so zu tun, als wären wir nur Freunde."

Ich wartete darauf, dass er etwas sagte, dass er seinen Standpunkt, den ich ohnehin nicht nachvollziehen konnte, aufgab und mir sagte, dass ich es ihm doch wert war. Dass er mich liebte und er bereit war, mit mir zusammen zu sein. Dass er einsah, dass man seine Ängste hinter sich lassen und Kompromisse eingehen musste, wenn man mit jemandem zusammen sein wollte. Doch er sagte nichts.

Also ging ich. Die Tür fiel hinter mir ins Schloss und ich lehnte mich an die Wand. Der Hausflur war kalt und leer. Ich schloss die Augen und atmete tief durch um das Gefühl zu vertreiben, dass sich in mir breit machte.

Gerade, als ich den Arm nach der Klingel ausstrecken wollte, ging die Tür auf.
"Du bist noch da", sagte Jussi, offenbar ehrlich überrascht.
"Ich wollte gerade gehen", log ich.
"Geh nicht", bat er mich erneut.
"Gib mir einen vernünftigen Grund", sagte ich und sah ihn an. Er hielt meinem Blick stand.

"Werden wir noch Freunde sein, wenn wir zusammen sind? Oder werden wir aneinander vorbei leben und uns nur noch streiten? Werden wir noch alleine weggehen oder nur aneinander kleben und uns dann hassen? Werden wir Zeit zum allein sein haben oder wirst du gleich durchdrehen, wenn ich dich nicht anrufe? Wie wird es sein?"

"Es wird so sein, wie wir es wollen", antwortete ich kühl. "Es liegt in unserer Hand."
"Geh nicht, Teemu. Ich liebe dich."
"Wenn ich jetzt bleibe, wirst du mich dann später wegschicken?"
"Nein, das werde ich nicht. Bitte, komm wieder rein."

Er sah mich flehend an, so als wollte er wirklich, dass ich blieb. Ein leises Lächeln huschte über mein Gesicht. Ich stieß mich von der Wand ab und ging auf ihn zu.
Einen Moment sah ich ihn an, dann zog ich ihn in meine Arme.
"Ich werde dir nicht wehtun, Jussi", sagte ich leise, als ich erkannte, wovor er eigentlich Angst hatte.

Er löste sich von mir und nahm meine Hand.
"Lass uns wieder ins Bett gehen", lächelte er. Ich nickte und noch im Gehen zog ich meine Jacke aus und öffnete meine Hose.

 

Anm.d.Red.: Die Zeile am Anfang ist aus dem Lied "Abgehaun" von den Prinzen. Sehr schön. Sehr traurig. Sehr passend. 

27.6.11 17:58
 
Letzte Einträge: Auseinanderfallen, Kleine Lichtgestalt, Tipping Point


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mr.bounty / Website (27.6.11 22:52)
Hey Mondprinzessin

Eine sehr schöne Geschichte die du da geschrieben hast. Hat dich dein Aufenthalt in Finnland dazu bewogen das zu schreiben oder kam das einfach so, ganz spontan?
Das Hin- und Her in der "Beziehung" ist sehr gut beschrieben und ich konnte mir das richtig bildlich vorstellen. Sicherlich geht das was du beschrieben hast vielen so, wobei ich hoffe dass du persönlich das nicht mitmachen musstest. Ich hatte sowas ähnliches auch schon mal und das ist wirklich nicht lustig.
Vielleicht schreibst du ja auch demnächst mal ein Stück, in dem die beiden einfach nur glücklich sind - obwohl das dann meiner Meinung nach auch schon wieder viel zu realitätsfremd wäre. Aber wer weiß, der Autor ist Gott in den Augen der Leser (und Figuren) . Und Gott ist nunmal unberechenbar..

Also überrasch uns

Liebe Grüße
mr.bounty


brains death / Website (7.7.11 03:24)
Ich schließe mich Mr.Bounty an - sehr schöne Geschichte (: Gefällt mir wirklich außerordentlich gut.

Grüße ~

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