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Unausgesprochen

Ich hab viel zu wenig geschlafen und bin demnächst auf dem Weg auf ein Festival. Trotzdem hab ich das Bedürfnis, hier noch irgendwas rauszulassen, überhaupt irgendwas rauszulassen. Wenigstens einen winzigen Teil meiner Sich der Dinge. Wo doch im Moment scheinbar alle so genau wissen, was mit mir los ist, wer ich bin, was ich brauche, was ich tun sollte.

Gut, dass ich heute davor fliehen kann. 

Ich würde das folgende kaum Kurzgeschichte nennen. Eher Fragment, Ausschnitt. Was ist real? Was ist Fiktion? Ist das überhaupt wichtig?

Ein weiteres Mosaikteil der unendlichen Geschichte, Aufarbeitung einer Zeit, die recht wirr war, aber mittlerweile  ein ganzes Stück zurück liegt.

Lasst mich wissen, was ihr denkt. 

 Unausgesprochen

Manchmal muss man sich selbst daran erinnern, was man will und was nicht. Und manchmal versagt man dabei.

Ich hatte mit seinem besten Freund geschlafen und keine Ahnung, ob er das wusste. Aber das war im Prinzip auch egal, wir waren nicht zusammen und es nie wirklich gewesen. Wir waren eigentlich überhaupt nichts. Außer vor einiger Zeit verknallt in einander gewesen. Dass ich ihn liebte, war irrelevant.

Während ich an der Bar saß und den dringenden Wunsch hatte, die abweisende Ignoranz, die mir gegenüber nun von jenem besten Freund an den Tag gelegt wurde, in Hochprozentigem zu ertränken, bewegte er sich auf der Tanzfläche. Ich verfolgte jede seiner Bewegungen. Als die Musik aus war, stand ich auf.

Ich zitterte ein wenig mehr als sonst, weil mir der Halt fehlte. Und die Orientierung.
Er sah mich auf ihn zu kommen und blieb stehen.

"Du zitterst", stelle er fest und nahm meine Hände. Die meisten waren schon gegangen, bevor das letzte Lied anfgefangen hatte. Ich nickte abwesend und es fiel mir schwer, ihn anzusehen. Er hatte getrunken, aber das war nichts Neues, er war zu dieser Gelegenheit fast immer angetrunken.

"Hast du...also willst du...ich meine...", er suchte nach Worten, die Souveränität, die er Austrahlte, täuschte zumeist. Sein Blick war ein wenig unsicher und ich hob fragend beide Augenbrauen, während mein Herz schneller schlug. Ich ahnte, was er wollte, noch mehr hoffte ich es.

"Willst du noch mit zu mir kommen? Wir könnten einen Film ansehen, ich würde dir auch mein Bett überlassen und auf dem Boden schlafen. Aber du solltest jetzt nicht allein sein."

Ich lächelte und nickte.
"Das sollte ich nicht."
Für den Bruchteil einer Sekunde sah ich Erleichterung oder etwas Ähnliches in seinem Gesicht.
Er würde nicht auf dem Boden schlafen. Das wussten wir beide. Ich bezweifelte, dass wir überhaupt schlafen würden.

Die Nacht war also geplant. Ich fühlte mich merkwürdig. Etwas in mir schmerzte noch immer und ich konnte nicht sagen, wem dieser Schmerz galt. Ihm, der mich in den letzten Monaten viele Nerven gekostet und abwechselnd traurig und wütend gemacht hatte? Seinem besten Freund, der mich aufgefangen, neue Hoffnung und Gefühle in mir geweckt hatte und der mich an diesem Abend gekonnt ignoriert hatte? Es war mir zu anstrengend, über eine Frage nachzudenken, auf die ich keine Antwort finden würde.

Ich lehnte mich wieder an die Bar, wartete auf ihn und spielte mit meinem Autoschlüssel. Er stellte sich neben mich und scherzte mit dem Mann hinter dem Thresen. Dann hielt er mir sein Glas unter die Nase. Ich ignorierte die klare, grüne Flüssigkeit und sah ihn an.
"Ach richtig, du fährst."
Ich schnaubte amüsiert.
"Interessante Art des Selbstmordes, den eigenen Fahrer abzufüllen", grinste ich halbherzig.

Er war aufgekratzt vom Alkohol, vom Tanzen, ich eher still. Unterschwellig jagten Gedanken durch meinen Kopf, ob es richtig war, mit ihm zu gehen, ob es besser wäre, alleine nach Hause zu fahren. Ich ignorierte sie und steuerte zielstrebig auf mein Auto zu.

Ich schwieg, während ich fuhr. Irgendwann legte er seine Hand auf meinen Schenkel. Ich ignorierte ihn und sein provokantes Grinsen. Seine Hand wanderte höher.

"Warte doch noch die zehn Minuten", sagte ich unwillig, konnte aber ein Lächeln nicht unterdrücken. Er wollte mich. Zumindest meinen Körper. Aber das allein genügte um meine Laune zu bessern und mir ein gewisses Triumphgefühl zu verschaffen.

"Lenk ich dich ab?"
"Nein", sagte ich lediglich und sah ihn kurz an. Auch als ich meinen Blick wieder auf die Straße wandte, spürte ich seine Augen auf mir.

"Und du weißt, was du tust?", fragte er mich irgendwann.
Ich steuerte auf einen Parkplatz zu.
"Wie kommst du darauf, dass ich es nicht tue?"
"Keine Ahnung", erwiderte er auf meine Gegenfrage und sah mich unentwegt an. "Ich bin betrunken, du nicht."
Er überlegte kurz.
"Aber eigentlich würde ich es nüchtern auch tun."

Das beruhigte mich zumindest ein wenig. Ich stellte den Wagen ab. Ich konnte nicht einschätzen, wie betrunken er tatsächlich war. Er wirkte recht nüchtern auf mich. Andererseits hatte er genug Übung im Trinken.

"Sicher, dass du das tun willst?", fragte er und schnallte sich ab. Ich schnaubte. Er manchmal hatte die Angewohnheit, vorzugeben, mich besser zu kennen, als das der Fall war. Mehr zu durchschaun, als tatsächlich da war. Mehr zu sehen, als ich. Er hatte damit nicht immer recht. Glaubte ich. 

Ich wusste, was ich wollte. Zumindest in dieser Nacht. Verletzte Gefühle würde er nicht heilen können, aber für eine gewisse Zeit wegschieben.
Selbstbewusst sah ich ihn an.
Keine Sorge, ich weiß, warum ich hier bin. Und letzendlich kann ich jederzeit Nein sagen."
Seine Augen blickten ernst, aber emotionslos, höchstens interessiert.

"Interessant, dass du es trotzdem nie tust", sagte er, lächelte triumphierend und stieg aus.
Ich schluckte, legte meine Hand auf den Türgriff und atmete seine Worte weg, die sich in mich zu bohren versuchten.
Dann folgte ich ihm wortlos. 

 

19.04.2011

 

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