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Freiheit

Die Mondprinzessin meldet sich aus der "Warum ist der verdammte Laptop  nach nicht mal zwei Jahren schon kaputt?"-Pause zurück (Ja, mein allerliebstes Cyril ist wieder funktionsfähig, leidet aber unter schwerer Amnesie. Gott sei Dank hab ich meine Daten vorher gerettet gehabt) und postet eine letzte Geschichte, bevor sie sich schon wieder in die frisch renovierten königlichen Gemächer zum Nachdenken zurückzieht. Auf unbestimmte Zeit.

Die folgende Kurzgeschichte entstand vor einem Jahr am Strand von Dänemark und ist quasi meine bekannteste. Daher sollte sie hier definitiv nicht fehlen. 

 

Freiheit



Meine Beine waren schwer, doch mit jedem Schritt fiel mir das Gehen leichter. Je weicher der Boden unter meinen Füßen wurde, desto schneller wurde ich, es war, als würde mich der Horizont anziehen. Das Gewicht fiel von meinen Schultern ab, mein Atem wurde gleichmäßiger, weniger gehetzt. Endlich sah ich es.

Es war das schönste Blau, das ich je wahrgenommen hatte. Fern am Horizont war es dunkel, doch ein geheimnisvolles Grün mischte sich in diese Farbe und leuchtend weiße Schaumkronen auf den Wellen machten einen faszinierenden Kontrast dazu aus. Am hellblauen Himmel schwebten weiße Möwen, deren Schreie sich mit dem Rauschen der Wellen mischten.
Der Ostwind strich zärtlich über meine Schultern, als ich paralysiert an diesem steinigen Strand stand und auf das Meer blickte. Neben mir bogen sich die Halme des Dünengrases. Ich wollte nie wieder etwas anderes sehen.

Langsam setzte ich schließlich einen Fuß vor den anderen. Jegliche Spannung war von mir abgefallen, kein Druck mehr, der auf mir lastete. Meine Flucht hatte endlich ein Ziel gefunden.
Je näher ich dem Meer kam, desto wärmer wurde es in mir. Ich zog meine Schuhe aus, um den feuchten Sand zu spüren. Es war ein Ort der Vollkommenheit und für einen Moment war es, als läge jeder Sinn des Lebens vor meinen Augen, so greifbar, dass ich versucht war, die Hand auszustrecken.

Ich atmete den unverwechselbaren Duft ein, der mich umspielte und lief langsam am Strand entlang, fühlte jeden Stein unter meinen Füßen. Ab und an war eine Welle  groß genug, dass kaltes Wasser meine Füße erreichte, um sich gleich darauf wieder zurückzuziehen, als wollte das Meer mich zu sich rufen. Doch diesen Ruf wollte ich noch nicht erhören.

Ich wusste nicht, wie lange ich eigentlich am Wasser entlang lief, doch auf einmal sah ich an diesem sonst so menschenleeren Strand jemanden sitzen.

An einem großen, weißen Felsen, nicht weit vom Wasser entfernt, saß ein Mädchen. Als ich näher kam, sah ich, dass sie rote Haare hatte, die im Wind wehten und auf ihren Knien lag ein Buch . Neben ihr eine Palette mit Farben. Sie hielt einen Pinsel in der Hand und auf ihrem hellen Pullover sah ich einige Farbflecken. Ich merkte, dass sie mich beobachtete, trotzdem kam ich näher.

Wir sagten beide nichts, sondern musterten uns gegenseitig. Ihr Gesicht war freundlich, ihre Haut wie Porzellan und ein erdbeerroter Mund lächelte scheu. Auf ihrer Nase war ein Klecks grauer Farbe, zwischen ein paar wenigen Sommersprossen.

"Hallo", sagte sie schließlich schüchtern und ihre Stimme klang wie das Flüstern des Windes.
"Hallo", erwiderte ich ebenso zurückhaltend. Doch ihr Blick war auffordernd und ich setzte mich neben sie.
Sie blickte mich weiter an und lächelte dabei . Als ich so nah neben ihr saß, sah ich, dass ihre Augen die Farbe des Meeres hatten.

Ich hatte erwartet, in ihrem Buch das Meer zu sehen, das vor uns lag, doch was sie malte, das war ein aufgepeitschter Ozean, ein dunkel und wilder Ozean.
Ich verfolgte den Pinsel mit den Augen und ich merkte, dass sie nun angespannt war. Nach wenigen Strichen hörte sie auf und drehte ihren Kopf wieder zu mir.

"Ich kann nicht, wenn du zusiehst", sagte sie, doch es lag kein Vorwurf in ihrer Stimme, es war mehr eine Erklärung.

"Das Meer?", fragte ich und blickte auf ihr Bild.
"Das Meer in mir", sagte sie. Ihr Blick wanderte über mich.
"Du bist nicht von hier."
"Nein", antwortete ich. "Ich bin auf der Suche."
"Das ist meistens der Grund, warum man hierher kommt."
Als sie das sagte, war ihr Blick aufs Wasser gerichtet. Eine Welle rollte an den Strand und eine zweite folgte ihr.

"Was suchst du denn?"
Ich beobachtete, wie der Wind mit einer Strähne ihres Haares spielte.
"Freiheit", antwortete ich, nach einer Weile.
"Freiheit", wiederholte sie. Sieh sah auf ihr Bild und ich sah auf sie.

"Und du?"
Erst sagte sie nichts. Sah mich nur an und dann an mir vorbei. Dann flüsterte sie: "Mich."

Ich wusste darauf nichts zu erwidern. Da saßen wir. Zwei Fremde. Vor uns das Meer, hinter uns Dünen, um uns die wunderschönste Einsamkeit.

Irgendwann fing sie wieder an zu malen. Obwohl ich ihr dabei zusah. Und während der Himmel, unter dem wir saßen, langsam dunkler wurde, erschien auf ihrem Bild ein heller Schimmer am Horizont. Als die Sonne untergegangen war, wussten wir beide, dass unsere Suche vorbei war.

12.07.2010

19.9.11 11:49
 
Letzte Einträge: Auseinanderfallen, Kleine Lichtgestalt, Tipping Point


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