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Das Kind und der Schmetterling

Etwas Altes ausgegraben. Diese Geschichte war ein Weihnachtsgeschenk für jemanden...vor mittlerweile sechs Jahren. Zeit vergeht...

 

Das Kind und der Schmetterling

Als ich das Kind zum ersten Mal sah, fiel Schnee. Sein roter Mantel und die Mütze waren mit weißen Flocken bedeckt. Es sah nicht zu Boden, aber es sah mich auch nicht an. Sein rotes Köfferchen hielt es fest und es stand ganz aufrecht.
Es beachtete mich nicht an, als es an mir vorbei ging und in sein Zimmer geführt wurde.
Es war ein merkwürdiges Kind. Wenn es aß, so saß es ganz still auf seinem Stuhl und wenn es ging, so ging es aufrecht und gerade. Niemals lachte es, niemals weinte es und immer trug es das gleiche Gesicht.
Seine Haut war blass und seine Haare glänzten, doch seine Lippen verzogen sich niemals zu einem Lächeln.
Eines Tages saß das Kind in einem Sessel, der so groß war, dass das Kind noch kleiner und zierlicher darin wirkte. Es sah aus dem Fenster und war ganz still. Eine Weile beobachtete ich das Kind, dann ging ich zu ihm, kniete mich vor ihm nieder und sprach es freundlich an.
"Was tust du denn da?", fragte ich das Kind. Ganz langsam wandte es seinen Kopf, musterte mich und sprach dann so kalt, wie ich es nie von einem Kind erwartet hatte:
"Man denkt."
Ich lächelte trotzdem.
"Worüber denkst du denn nach?"
"Man kann sich nicht vorstellen, was dich das angeht", antwortete das Kind und sah wieder aus dem Fenster. Ich schüttelte den Kopf und stand auf. Es war schon ein gar wunderliches Kind.

Bald merkte ich, dass das Kind immer mit dieser Kälte in der Stimme sprach. Niemand hatte seine rechte Freude daran, sich mit ihm zu unterhalten. Oft saß es am Fenster und sah nach draußen.
"Es sieht dem Schnee beim Schmelzen zu", sagte der alte Koch und ich antwortete ihm nicht.
Auch wanderte es lange durch das Haus. Jedem anderen Kind hätte das große, alte Herrenhaus Angst eingejagt. Aber das Kind zeigte niemals ein Anzeichnen von Angst. Oder Freude.
Als der Schnee geschmolzen war und die Sonne langsam ihre ersten Strahlen sandte, hatte ich ein Geschenk für das Kind.
"Sieh, ich habe einen Ball für dich. Zum Spielen."
Das Kind sah den Ball und dann mich und fast glaubte ich, Spott in seinen Augen zu erkennen.
"Man spielt nicht", sagte es.

Das Kind verbreitete seine Kälte. Die Hausherrin verfiel in argen Kummer, der mit jedem Tag schlimmer wurde.
"Es spielt nicht", klagte sie.
"Es lacht nicht", klagte sie.
"Es redet nicht mit mir", klagte sie. Der Hausherr hatte Mühe, sie zu beruhigen.
"Gib ihm Zeit", sagte er. "Dann wir es spielen. Und lachen. Und mit dir reden."

Das Kind saß oft am Fenster. Und dachte nach. Aber es redete nicht. Es bewegte sich auch nicht. Kein Kind hatte ich je so still sitzen sehen. Selbst seine Augen waren ganz ruhig. Beinahe starr.

Die Sonne schien wieder öfter. Und das Kind ging nach draußen. Einmal sah ich, wie der Gärtner mit ihm redete. Es antwortete nur knapp. Das Lächeln des freundlichen Gärtners erstarb. Ich folgte dem Kind nach draußen und fand es direkt vor einem hellgrünen Busch. Es sah auf einen Zweig. Mit meinen vom ALter müden Augen brauchte ich etwas, um auszumachen, was es ansah.
"Eine Schmetterlingspuppe", lächelte ich.
"Das hat man auch schon gesehen", antwortete das Kind und ich lächelte.
"Faszinierend, nicht? Da drin entwickelt er sich zu seiner ganzen Schönheit."
"Man findet es eher faszinierend, dass er es allein tut."
"Wie meinst du das?"
"Menschen tun nichts alleine. Sie lassen sich immer von anderen beeinflussen. Sie brauchen immer jemanden."

Erstaunt sah ich das Kind an. Wie konnte sich ein so kleines Geschöpf solche Gedanken machen?
"Und du denkst, da macht der Schmetterling es besser?"
Das Kind nickte.
"Er braucht niemanden. Das ist gut."
"Nun weißt du, der Schmetterling muss alleine in seine Puppe, es wäre viel zu eng für einen weiteren Schmetterling. Aber wenn er aus der Puppe herauskommt, dann suchte er sich sicherlich ganz viele Schmetterlingsfreunde."
"Unfug", antwortete das Kind mit seiner gewohnten Kälte. "Der Schmetterling braucht niemanden."
"Vielleicht liegt das in seiner Natur. So wie es in der Natur des Menschen liegt, jemanden zu brauchen."
"Es ist lächerlich."
Während des ganzen Gesprächs hatte das Kind mich nicht angesehen. Sein Blick war starr auf den Kokon gerichtet.
"Warum sollte es lächerlich sein, jemanden zu brauchen, der für einen da ist?"
"Menschen fühlen sich einsam, wenn niemand da ist. Der Schmetterling fühlt sich nicht einsam. Er ist frei und kann fliegen, wohin immer er will. Er ist von niemandem abhängig."
"Dafür gibt ihm auch niemand Liebe."
"Aber er braucht sie doch gar nicht."
Die Stimme des Kindes war nun leiser und weicher als zuvor und in mir keimte die Hoffnung auf, ein wenig Kind in ihm zu erkennen.
"Und ist das gut?", fragte ich ebenso leise und vorsichtig.
"Er kann sie nicht vermissen", flüsterte das Kind.
"Aber er kann auch nie ihre Freuden erfahren."
"Gibt es die denn?"
"Natürlich. Kennst du sie nicht?"

Das Kind sah mich aus großen Augen an und legte dann einen kleinen Zeigefinger auf die roten Lippen.
"Shht!"
Es zeigte auf den Kokon, der sich zu regen begann. Gebannt sahen wir beide dabei zu, wie der Schmetterling sich befreite, Luft in seinen Körper pumpte und sich aus der Hülle zog. In einem magischen Moment breitete er seine Flügel aus, erstrahlte wunderschön vor unseren Augen und flatterte dann in die Frühlingsluft.
"Nun ist er frei", lächelte das Kind. Es sah mich an.
"Hast du den Ball noch?"

29.3.13 16:00
 
Letzte Einträge: Auseinanderfallen, Kleine Lichtgestalt, Tipping Point


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Nives (4.9.13 20:02)
sehr schön du... wusste gar nich, dass du so schön schreibst...


Sanni (12.9.13 09:39)
Die Geschichte hat mich zum Lächeln gebracht, danke dafür

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